
Paraphrase zum oben gezeigten Text
Sonntag No. 1 15. Januar 1843
Ankündigung.
Dem allgemeinen Wunsche, daß dahier ein Wochenblatt erscheinen möchte, zu entsprechen, hat sich der Unterzeichnete entschlossen, mit hoechster Bewilligung sich der Herausgabe eines solchen Blattes zu unterziehen, vorausgesetzt jedoch, daß dasselbe so viele Abnehmer findet, als die Deckung der Kosten hierfür erfordert. In dieser Voraussetzung wird von nun an, an jedem Sonntage das Aichacher Wochenblatt auf einem halben, und nach Umständen auf einem ganzen Bogen erscheinen, und kostet halbjährig 1 fl. und ganzjährig 2 fl. welche halbjährig mit 1 fl. vorausbezahlt werden müssen, wenn nicht der ganze Betrag sogleich entrichtet werden wolle. Ein einzelnes Blatt kostet 6 kr. Für Inserationen wird die Spaltpetitzeile mit 3 kr. bezahlt, und man abonnirt bei dem Unterzeichneten.
In dieses Blatt werden folgende Artikel aufgenommen:
- Alle der Redaktion zukommenden Bekanntmachungen, als des königlichen Landgerichts, Rentamtes, Forstamtes, des Stadtmagistrats und anderer unmittelbaren und mittelbaren Behörden.
- Privatbekanntmachungen, als Verkäufe, Versteigerungen, Verpachtungen, verlorene und gefundene Gegenstände, Anleihensgesuche, Kapitals-Ausleihungen, Dienstgesuche etc. etc.;
- Stand und Preis der Schrannen von Aichach, Schrobenhausen, Rain, Augsburg und München, dann Viktualien und sonstige Venalienpreise von Aichach, Holz– und Futterpreise von Augsburg und München, dann
- Gemeinnützige Gegenstände, als ökonomische Aufsätze, Iehrreiche Erzählungen, Klugheitslehren, geschichtliche Notizen von Aichach und der Umgegend. – Zur zahlreichen Abnahme gegenwärtigen Blattes ladet ergebenst ein
Aichach, den 15. Januar 1843
Thomas Müller, Stadtschreiber.
Erläuterung
Die oben abgebildete erste Ausgabe der Aichacher Zeitung erschien am 15. Januar 1843.
Das Kuriose an dieser Zeitung ist, dass sie nicht in Aichach selbst, sondern in Friedberg, der Nachbarstadt Aichachs, gedruckt worden ist. Auf der Titelseite wird darauf verwiesen, dass die Errichtung des Blattes aus dem „allgemeinen Wunsche“ der Bevölkerung hervorgegangen sei. Die Zeitung in Aichach hatte allerdings nur einen kleinen Abonnentenkreis, zu denen die Pfarrämter, Gemeindeverwaltung, Magistrate und Landgerichte zählten. Wer sich die Zeitung nicht leisten konnte, ging einfach in ein Gasthaus am Ort, wo sie regelmäßig verlesen wurde.
Das Verlegen einer Zeitung war an die Bedingung geknüpft, dass die Produktionskosten durch eine ausreichende Anzahl von Abonnenten gedeckt würden. Der Preis für ein einzelnes Blatt betrug 6 Kreuzer (6 kr.).
Bereits zu diesem Zeitpunkt bestand die Möglichkeit, zwischen unterschied-lichen Abonnementmodellen zu wählen.
Ein halbjähriges Abonnement kostete einen Gulden (1 fl.), während
für ein ganzjähriges Abonnement zwei Gulden (2 fl.) zu entrichten waren.
Darüber hinaus bot die Zeitung die Möglichkeit zur Aufgabe von Privatan-zeigen, die mit drei Kreuzern (3 kr.) pro Spaltenzeile berechnet wurden.
Inhaltlich folgten alle Ausgaben einem einheitlichen Aufbau:
- Abschnitt: amtliche Bekanntmachungen, die insbesondere das Landgericht sowie weitere staatliche und kommunale Behörden betrafen
- Abschnitt: lokale Mitteilungen von Institutionen wie dem Polizeiamt, dem Landgericht oder dem Stadtmagistrat, die sich direkt an die Bevölkerung richteten
- Abschnitt: kostenpflichtige Privatanzeigen
- Abschnitt: Preistabellen aus Aichach, Schrobenhausen, Augsburg und München, die Angaben zu Preisen für Getreide, Viktualien, Holz und Futter enthielten und insbesondere für die Stadtmagistrate von Bedeutung waren.
Auffällig ist, dass die Zeitung kaum politische und lokalpolitische Ereignisse oder Themen enthielt. Deshalb wurde das Aichacher Amtsblatt nicht nur vom damaligen Landgericht als „ziemlich gehaltlos“ bezeichnet.
Dies ist vermutlich auf die anhaltende Zurückhaltung der Presse gegenüber politischen Themen zurückzuführen, die auch nach dem formalen Ende der Wirkung der Karlsbader Beschlüsse am 4. April.1848 weiterhin als sensibel galten und daher weitgehend vermieden wurden.
Alles Neu?
Teils teils. Einerseits war das Verlegen eines periodisch wiederkehrenden Presseprodukts für die Aichacher bäuerliche Bevölkerung etwas Brandneues. Andererseits hielt man sich wohl sehr genau an die Vorgaben und zensierte sich ggf. selbst, wenn man praktisch alle „Neuigkeiten“ aus der weiten Welt und auch politische Inhalte konsequent unterschlug.
(Beitrag von Jakob Harner)

