
Paraphrase zum oben gezeigten Text
Bayern !
An Euch ergeht unter allen deutschen Stämmen zuerst der Ruf, aus Eurer Mitte, aus der des ganzen Volks die Abgeordneten zu wählen zur deutschen National-Vertretung. Seyd stolz darauf und erkennet die Größe Eurer Aufgabe!
Einer der ältesten, edelsten deutschen Stämme, im Herzen unseres Gesammtvaterlandes gelegen, seyd ihr bestimmt, mitzuwirken, zur Gestaltung des großen National-Werkes.
Deutschland soll nach Innen und Außen gekräftigt, die ihm gebührende, Achtung gebietende Stellung einnehmen unter den Staaten Europas, zum mächtigen Schutze seiner Freunde, zur Abwehr seiner Feinde.
Dieses Ziel zu erreichen thut Eintracht Noth! Mit Deutschland stehen und fallen wir. Wir sind Alle Kinder e i n e r M u t t e r, S ö h n e e i n e s V o l k e s. — Ihm verdanken wir Sprache, Gesittung, Freiheit und Recht, der Menschheit höchste Güter. Doch jeder deutsche Stamm in seiner eigenthümlichen, selbstständigen Entwicklung trug zu ihrer Erlangung bei, durch Wort und That, durch Gut und Blut.
Darum vergesset auch nicht, daß wir Bayern sind! Ueber ein Jahr-tausend zählt unsere Geschichte . Bayern wollen wir seyn und bleiben.
Schreitet nun mit Gott dem Herrn, an euer wichtiges Wert, flehet seinen allmächtigen Beistand an, daß er Euch erleuchte u. stärke. Wählet nach Pflicht und Gewissen, frei von Leidenschaft und niedrigen Partheizwecken.
Bayern, höret auf die Stimme Eures Königes, er trägt Euch alle in seinem Herzen:
E u r e E h r e, E u e r R u h m, E u e r G l ü c k, sind die seinen! Lasset uns zusammenhalten in guten wie in bösen Tagen, wie es unsere Vorfahren gethan; sie haben vollendet, wir haben noch zu kämpfen.
Gedenket des Gebers unserer Verfassung, unsers Vaters Mar: er blickt segnend auf uns herab; sein Geist umschwebe euch in der Stunde ernster Berathung über das Werk nationaler Einigung zwischen Deutschlands F ü r s t e n und V ö l k e r n!
Erklärung
Ludwigs Nachfolger Max II. Joseph wendet sich kurz vor der Wahl (25.-28. April) zur ersten deutschen Nationalversammlung an seine Untertanen und erinnert sie daran, sich ihrer bayerischen Herkunft stolz zu erinnern, gleichzeitig sich aber bewusst zu werden, dass es ein höheres deutsches Ziel, die Einigung, gibt, der man sich jetzt beugen muss. Es handelt sich also um einen Wahlaufruf unmittelbar vor der Abstimmung.
Dieser „Artikel“ ist insofern bemerkenswert, da er der erste ganz offen politische Beitrag in dieser Zeitung zu sein scheint, noch dazu vom König. Das bedeutet aber auch, dass die Abschaffung der Karlsbader Beschlüsse (2.4.) noch nicht zu einer veränderten, politischen und kritischen Publikationsweise geführt hat und dass die Zeitung weiterhin ihren altbewährten, unpolitischen Kurs beibehielt. Abgedruckt werden musste dieser Beitrag ggf. auch deshalb, weil er explizit vom neuen König kam.
Anmerkung: Das „Gesetz, die Wahl der bayerischen Abgeordneten zur Volksversammlung bei dem deutschen Bunde betreffend“, war zum Zeitpunkt der Veröffentlichung der Ausgabe 6 Tage im Gesetz-Blatt für das Königreich Bayern“ veröffentlicht.

Paraphrase zum oben gezeigten Text
Pferderennen-Einladung.
Mit polizeilicher Bewilligung giebt die Bürgerschaft der Stadt Aichach am Sonntag den 14. Mai I. Js. ein ganz freies Pferderennen mit nachstehenden Preisen:
1ter Preis, 10 bayer. Thaler mit seidener Fahne.
2 “ “ 8 “ “ “ “
3 “ “ 6 “ “ “ “
4 “ “ 5 “ “ “ “
5 “ “ 4 “ “ “ “
6 “ “ 3 “ “ “ “
7 “ “ 2 “ “ “ “
8 “ “ 1 “ “ “ “
9 “ ein paar Halbstiefel
10.“. vier Hufeisen.
Die Verloosung wird Schlag 12 Uhr auf dem Rathause vorgenommen, wobei für jedes Rennpferd 1 fl. 12 kr. Loosungsgebühr zu entrichten ist.
Die Herrn Rennmeister werden auf die ohnehin bekannten Rennregeln aufs genaueste hingewiesen sämtliche Herrn Rennpferde= () und Rennliebhaber werden hierzu eingeladen.
Aichach, den 16. April 1848.
Johann F a c k l e r, Bräuer. Ulbert K a p f h a m m e r, Bräuer. Ulrich H a m m e t e r, Bäcker, zur Zeit Rennmeister.
Erklärung
Scheinbar ging bei aller politischer Unsicherheit das normale kleinstädtische Leben weiter. Das erklärt auch, dass am Palmsonntag (16.4.1848) in Aichach ein Pferderennen veranstaltet wurde, an dem die Bürgerschaft selbst nicht unwesentlichen Anteil am Gelingen trug. Die Rennmeister und Verantwortlichen waren alles Handwerker.
Großflächige Werbeanzeige

Erklärung
Außergewöhnlich erscheint hier ein großformatiges Werbeinserat einer Augsburger (!) Modewarenfirma. Sie erscheint zum einen außergewöhnlich, weil die Möglichkeiten der Aichacher, nach Augsburg zu kommen, in Zeiten ohne Auto oder Eisenbahn doch eingeschränkter waren. Das Lager befindet sich wohl in der Maximilianstraße, der Verweis auf das Hotel „Drei Mohren“ macht dies deutlich.
Für die Aichacher interessant erscheint vielleicht noch der Verweis auf das Gumppenberg’sche Haus in der Maximilianstraße. Die Gumppenberger kannten die Aichacher, da es sich um ein örtliches Adelsgeschlecht aus dem nahegelegenen Pöttmes handelte.
Unklar bleibt, ob der Verweis absichtlich eingeschrieben wurde, um den Wiedererkennungswert zu steigern.
(Beiträge von Jonathan Gräf)

