
Paraphrase zum oben gezeigten Text
Bekanntmachung.
Nach hoher Regierungs-Entschließung vom 29.vorigen Monats bleibt der F l e i s c h s a t z für den Monat März, wie im vorigen Monat, was hiermit bekannt gemacht wird.
Aichach den 5.März 1848
Königliches Landgericht Aichach. Wimmer.
Erläuterung
Diese amtliche Bekanntmachung informiert die Bürger sowie die Landwirte darüber, dass im vorliegenden Monat Preisstabilität für die angeführten Produkte galt. Das ist insofern bedeutend, als in den Jahren 1846/47 in Teilen Deutschlands die Ernten durch die sog. Kartoffel- und Roggenfäule verdarben und es zu massiven Preissteigerungen für landwirtschaftliche Güter kam.

Paraphrase zum oben gezeigten Text
Warnung.
Mit Genehmigung des k. Landgerichts Friedberg als Obervormundschafts-Behörde warne ich hiermit, der ledigen A n n a D r e x l nichts zu borgen, da keine Zahlung hierfür geleistet wird.
Friedberg den 6. März 1848
J. A. Fürst, Vormund.
Erläuterung
Im Aichacher Wochenblatt stand etwas für die heutige seriöse Presse und für uns heute Unglaubliches: Es bestand offenkundig die Möglichkeit, verleumderisch-rufmörderische Aussagen über andere Personen der Gemeinde veröffentlichen zu lassen, sofern das Gericht dies genehmigte. In diesem Fall werden die Leser dem Mündel des inserierenden Vormunds gewarnt.

Paraphrase zum oben gezeigten Text
Der Bayern Ringen und Ziel.
Was ist´s nach dem der Bayer ringt!
Nachdem er ratlos vorwärts dringt? —
Stimm laut es an, mein hohes Lied,
Daß jede Brust es heiß durchglüht;
Was muß das Ziel des Bayern sein? —
„Der Freiheit gold´ner Sonnenschein“!
Dieß ist´s, nach dem der Bayer ringt,—
„Daß Fürst und Volk ein Geist durchdringt“
„Daß alle Welt ein Band umschlingt,“
„Daß Knechtessinn zum Staube singt. [!]“
„Daß frei der Geist, das frei das Wort,“
„Daß Wahrheit gelte aller Ort,“
„Daß Gott entstammte Religion“
„Der heilgen Kirche Haupt-Patron!“
Dieß muß es seyn,
O Herr gieb Deinen Segen d´rein!
—————
Und was der Bayer hat gewollt,
Ist ihm durch Königs Huld gezollt
Entledigt ist sein Hals vom Joch
Drum König „Ludwig“ lebe hoch!
Erläuterung
NEU war: Die Zeitung veröffentlichte völlig untypisch ein patriotisch gesinntes Gedicht, in dem das Königtum Ludwigs zwar gelobt wird, gleichzeitig der König den Untertanen geben solle, wonach sie verlangen: Freiheit und Einigkeit.
Dieses Gedicht ist vor dem historischen Hintergrund der Märzrevolution zu erklären. Die Veröffentlichung dieser Ausgabe kam kurz nach den Mannheimer Märzforderungen und kurz nach dem Münchener Zeughaussturm (4. März), bei dem sich die Bürger selbst bewaffnet hatten.
Da die Karlsbader Beschlüsse aber noch galten, versuchte man, Kritik an der Halsstarrigkeit Ludwigs durch ein künstlerisches Werk abzuschwächen. Da man in Bayern aber offenkundig weniger harsch Kritik äußerte als bspw. in Preußen, fällt dieser Text auch weniger kritisch aus, sondern lobt den König dafür, dass er den Weg der Märzforderungen geht. Man ermutigt ihn auch, ihn weiterzugehen, steht aber weiterhin fest zum Königtum und den Wittelsbachern, wie es scheint.
Wie die Aichacher Bürger explizit zu den Ereignissen rund um die Auflösung des Landtags (6. März, angekündigt für 16. März), ist nicht überliefert.
Dennoch zeigt sich, dass sich hier auch in der Presse ein zaghafter kritischer Tonfall auszuprägen beginnt – zumindest kurzfristig, wie die weiteren Ausgaben zeigen werden.
Anmerkung: Es erscheint zudem interessant, dass der König genau 6 Tage nach dem Erscheinen dieser Ausgabe zurücktritt.
(Beitrag von Jonathan Gräf)

