Aichacher Wochenblatt, No. 2 (1843)

Aichach-Friedberger Wochenblatt 2, 22. Januar 1843, S. 2

Lehr-Offert.

              Bei dem Unterzeichneten kann ein solider Knabe sogleich oder auf Oster unter annehmbaren Bedingungen in die Lehre treten.

                                                                                          Franz Fackler,                                                                           Büchsenmacher und Schäfter.

Aichach-Friedberger Wochenblatt 2, 22. Januar 1843, S. 2

Dienstgesuch.

              Ein solides Mädchen mittlerer Jahre, das sich allen häuslichen Arbeiten unterzieht, auch gut mit Kindern um- gehen kann, sucht sogleich einen Dienst.

Im Aichacher Wochenblatt findet man, wie an diesen Beispielen aus der zweiten Ausgabe 1843 erkennen kann, findet man Stellenanzeigen, in denen Arbeitsmöglichkeiten und Lehrstellen angeboten werden.

Auch Inserate von Dienstleuten, die nach Arbeit suchten, sind zu finden. Schon damals nutzte man also die Reichweite des „neuen“ Mediums Zeitung aus, um sich und seine Wirtschaft bekannt zu machen oder um nach Arbeitsmöglichkeiten zu suchen. 

Aichach-Friedberger Wochenblatt 2, 22. Januar 1843, S. 2-3

Die Art und Weise, wie unsere Pferde ernährt werden,

ist nicht geeignet, die Klage der Pferdehalter über die hohen

Haberpreise zu widerlegen; denn da die Pferdezucht seit meh-

reren Jahren mit außernrdentlichem (sic!) Erfolge betrieben, die

Pferde sonach vermehrt worden sind, so muß auch das

Bedürfnis an Haber notwendig größer geworden seyn, und

Es dürfe ein erprobtes Mittel, durch dessen zweckmäßige An-

wendung die Hälfte der bisher aufgewendeten Fütterungs-

sorten erspart wird, die Aufmerksamkeit der Pferdehalter um

so mehr verdienen, als es zugleich ganz geeignet ist, diese

nützlichen Thiere besser zu nähren. Als eine ausgemachte

Sache setzen wir voraus, dass das Brod ein besseres Nahrungs-

mittel sey als das Mehl, und das Mehl besser nähre, als

die rohe Frucht.  Dieser Satz beruht nicht allein auf zwei-

tausendjähriger Erfahrung, sondern auch auf ganz unphysi-

kalischen Gründen, denn der Sauerteig, welcher zum Brode

genommen wird, hat die Eigenschaft, die Nahrungstheile

in dem Mehle so vollkommen aufzulösen, dass es den Ver-

dauungswerkzeugen des thierischen Körpers leicht fällt, die

besten Nahrungsteile abzusondern, und als Lebenssäfte dar-

zustellen, wodurch einzig der Nutzen hervorgebraucht wird, den

man davon verlangen kann. Hieraus folgt von selbst, dass

die Körner, wenn sie von den Thieren auch noch so sorgfältig

zermalmt werden, eine gleiche Wirkung nicht hervorbringen,

indem viele Nahrungstheile unverdaut bleiben, und somit

ungenützt verloren gehen. Um diesem Uebelstande vorzubeugen,

lasse man daher den für die Pferde bestimmten Haber zu

Mehl mahlen oder wenigstes klar schroten, und mit einem

Zusatze von vielem Sauerteige zu Brod backen, schneide als-

dann dieses Futter in kleinen Würfeln unter den Häckerling,

und der Erfolg wird seyn, daß das Thier nicht nur mit der

Hälfte des roh verzehrten Habers gefüttert, sondern daß

solches besser genährt ist, und sich sehr gut bei dieser Be-

Handlung befindet.  Hätten die Bewohner des nördlichen

Schwedens dieses Mittel nicht, so würden sie weder sich

noch ihre Pferde zu ernähren vermögen, und es ist eine

Bekannte Sache, daß diese Bewohner Westphalens, wo kein

oder wenig Haber wächst, ihre Pferde mit Pumpernickel

füttern.     –

Im Aichacher Wochenblatt findet man überdies Anregungen und Tipps des Magistrats der Stadt und des Kreises, wie man die Tiere im eigenen landwirtschaftlichen Betrieb besser versorgen kann. In diesem Fall geht es um eine neue Verarbeitung von Futter für die Pferde, die sonst Hafer (= Haber) fressen. Hier wird den Bauern geraten, sie sollen die Pferde nur noch mit in Stücke geschnittenem Sauerteigbrot aus Hafermehl ernähren, was die Menge des verfütterten Hafers an die Tiere absenken würde und die Zahl des Nachwuchses bei den Pferden steigern solle.

Die Zeitung diente also auch dazu, der Bevölkerung „wertvolle“ landwirt-schaftliche Neuerungen zu vermitteln. Unklar bleibt, wie die Bauern diese Tipps und Hinweise konkret auffassten oder inwiefern sie diese umsetzten.

Aichach-Friedberger Wochenblatt 2, 22. Januar 1843, S. 3

Die edelste von allen Göttergaben

Nennt meines Wortes erste Sylbe dir,

An der sich alle freien Geister laben,

Nach der die Pflanze strebet und das Thier.

Arm ist der Reichste, dem sie fehlet,

Und reich der Aermste, der sie sieht;

Der Mörder nur, den sein Gewissen quälet,

Der Dieb und Dummkopf vor ihr flieht.-

              Die zweite ist ein fromm Vermächtnis,

Er-erbet aus der Väter Zeit;

Es ward gestiftet zur Gedächtnis

Des Größten, der die Welt erfreut!

Noch täglich wird es uns erneuet,

Und stimmt zur Andacht unser Herz,

Religion hat es geweihet,

Es zieht uns, gläubig, himmelwärts.

              Das Ganze kömmt in Winterstagen,

Wo Schnee und Eis noch deckt die Flur;

Doch kömmt´s, uns tröstend anzusagen,

Dass bald erwache die Natur. –

              Ein Jahresanfang ist´s zu nennen,

Drum feiert´s selbst die Kirche hoch. –

Nun, Leser! Sollest du es kennen;

Du bist ein Katholike doch? –

Tatsächlich findet man im Aichacher Wochenblatt immer wieder auch Gedichte. Z.T. sind es patriotische Texte oder Lieder, z.T. – wie hier – auch Gedichte über die Jahreszeit. Doch statt einem Frühlingsgedicht liegt hier für den Leser interessant ein Rätsel in Charaden-Form vor. Man muss durch die Umschreibung eine Sache erraten. Die ersten beiden Strophen ergeben je ein Wort. Durch die dritte Strophe wird das Lösungswort beschrieben, dass sich aus den beiden Wörtern der ersten Strophen ergibt. Die Lösung findet sich auch in der nächsten Ausgabe der Zeitung und lautet „Lichtmess“. Auf diese Weise versuchten die Herausgeber, die Leser bei Laune zu halten.

(Beitrag von Jakob Harner)

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