

Neue Formen der Herrscherverehrung: Von Pyramiden und Obelisken
Um 1800 besannen sich die Bürger Aichachs zunehmend des historischen Ortes, an dem einst die Burg Wittelsbach gestanden hatte. Auf Initiative des Aichacher Brauereibesitzers und Bürgermeisters Lorenz Aloys Gerhauser wurde im August 1812 am Platz der ehemaligen Burg eine hölzerne Pyramide errichten. Sie erinnerte an die Ursprünge der Wittelsacher:
Hier stand das Stammschloß Wittelsbach; dieser Platz bedeckt die Ruinen desselben. So drückt zwar schwer der Schutt der Zeiten das Vaterland, aber der edle Geist der Ottonen lebt noch mächtig in den Regenten Bayerns. Gott segne Max Joseph, das königliche Haus und unser Vaterland Bayern.
(Reithofer, Chronik von Aichach)
Anstoß für die Errichtung eines repräsentativen Denkmals gab der Freiherr von Hallberg, der 1821 durch einen Aufruf an die Stadtverwaltung von Aichach und eine großzügige Spende von 100 Gulden dazu beitrug, dass die Idee in Aichach populär wurde. In ganz Bayern sammelte man nun Geld für dieses Vorhaben. Aber zuerst einmal brauchte man einen Entwurf. Der erste Vorschlag kam vom Freiherrn von Hallberg selbst. Seine Idee bestand aus einer einfachen Steinsäule auf einem Podest, auf der nur der Name „Otto der Große“ eingemeißelt war. Doch der Entwurf viel durch.
Am 29. November 1827 wurde im „Volksfreund“ ein weiterer Entwurf besprochen, der einen wuchtigen und architektonisch monumentalen Eindruck machte. Der Entwurf bestand aus einem Obelisken aus gutem Marmor oder Granit mit acht Statuen, verbunden mit einem aus Ziegelsteinen erbautem Gebäude, das für die Unterbringung von heimatlichen Altertümern und Kunstgegenständen gedacht war. Jeder Bau sollte zudem auch Wohnungen für Invalide bieten, die das Museum betreuen sollten. Man rechnete bei diesem Projekt mit einem Kostenaufwand von 90.000-120.000 Gulden. Aber da die Kosten so hoch ausfielen, entschied man sich letztendlich dagegen. Zudem wäre das wuchtige Monument für den begrenzten Burgplatz und gemessen an den Ausmaßen der Kirche erdrückend gewesen.
Also entschied man sich letztendlich für den Vorschlag von Daniel Ohlmüller, dem königlichen Civilbauinspektor, welchen er am 5. Mai 1829 darbrachte und der sich als sehr viel günstiger erwies.
Die beiden ausgesuchten und oben gezeigten Objekte zeigen die unterschiedlichen Entwürfe von 1812 und 1827.
Alles Neu?
Neu war die Art, der Königsfamilie Ehre zu erweisen, indem man ein Wittelsbacher-Denkmal errichten ließ. Alt hingegen blieb natürlich die in der ländlichen Region Altbayerns traditionell gepflegte Herrscherverehrung.
(Beitrag von Marius Völkl)

