Gesamte Paraphrase des Güllehinweises

Gemeinnützliches.

Ueber Anlegung von Güllegruben und

Dunghaufen

              In der Landwirtschaft ist es bekanntlich eine

äußerst wichtige Sache, daß nicht allein eine größt-

mögliche Quantität Gülle oder Adel auf die Wie-

sen, und auch hie und da auf die Felder ausgeführt,

sondern es ist auch eben so wichtig, daß die Quali-

tät – wie diese Gülle zusammengesetzt wird!  – ent-

sprechend ist. Wie oft sieht man nicht fast leeres,

nur etwas bräunliches Wasser ausführen und aus-

breiten, was für gute Gülle gelten soll? woraus

folglich kaum einiger Nutzen hervorgehen kann; es

ist daher wesentlich und nothwendig, will man Nu-

tzen und guten Erfolg davon haben, daß die Gülle an-

ders beschaffen sey, als es meistens der Fall ist. Man

sehe also wohl darauf alles zu vereinigen, zu sammeln,

und zusammen zu bringen, was diese Substanz, diesen

vortrefflichen flüssigen Dünger kräftig, wirksam und

wahrhaft gut und nützlich machen kann.

              Es ist zwar dieses bereits und öfters angegeben

worden, und das nie genug geschätzte Buch des ver-

storbenen Staatsrathes Hazzi über den Dünger ent-

hält hierüber – in der 6ten Auflage von 1836 –

alles, was zu wissen nötbig (sic!) ist, allein es ist verglei-

chungsweise nur in wenigen Händen, und Tausen-

den ist es um so eher fremd geblieben, weil diese

Auflage vergriffen ist.

              Es dürfte daher nicht überflüssig sein, hier noch

 einmal anzugeben:

  1. Wie die Güllegruben gebauet und beschaffen

sein sollen;

  • wie die Düngerhaufen hergestellt, und behan-

delt werden müßen, die sich übrigens immer so nahe

als möglich bei erstern befinden sollen.

              Der Güllegrube kann man eine beliebige Form

und Größe geben; sie muß aber an den Kuh- oder

Ochsenstall anstoßen, daher auch besser länglich als

zu breit; eine Tiefe von 6 Schuh ist hinlänglich;

dieselbe muß gut und fest gemauert sein, uns mit

Lehm, der fest gestoßen wird, vollkommen wasserdicht

gemacht werden.

              In dieser Grube sammelt sich nun:

  1. Aller Urin und Flüssigkeiten aus den

Ställen. Auch die entfernteren soll man durch Lei-

tungen dahin bringen:

  • der Inhalt eines oberhalb dieser Grube an-

gebrachten Abtrittes, was durchaus nicht übersehen

werden darf;

  • alle Kuhfladen aus den Kuh- und Ochsen-

ställen die rein und ungemischt auf dem Stroh liegen

diese kommen täglich und so oft sich welche vorfinden

hinein.

              Was sich nun in dieser Grube sammelt, wird

mit Wasser verdünnt, welches sich in einer zweiten

Grube unter dem neben gelegenen Dunghaufen be-

findet und mittelst einer beweglichen und überall zu

verwendenden Pumpe herüber gepumpt wird; dieses

Wasser, womit man auch, wenn auch nicht täglich,

doch wenigstens um den andern Tag den ganzen

Düngerhaufen überschütten soll, ist daher auch kein

reines Wasser mehr, sondern bereits eine schwache

Mistjauche, indem es sich jedesmal durch das häufige

Ueberschütten des Dunghaufens mit Theilen davon

schwängert, was sich am deutlichsten zeigt, wenn

alle 2 – 3 Jahre diese Wassergrube einmal gänzlich

geleert, und gesäubert wird, und man auf dem Bo-

den einen Satz findet, der gleichfalls ein unvergleich-

lich guter Dünger ist, den man auch wieder entweder

auf dem Düngerhaufen selbst ausbreiten, oder in die

Güllegrube thun kann, überall ist es ein wertvoller

Zusatz.

              Die Güllegrube muß fleißig und öfters mit ei-

nem eigenen dazu verfertigten Gülle- oder Adel-Rüb-

rer bearbeitet und umgerührt werden; dieser Rührer

ist eine 10 – 12 Schuh lange feste Stange, worin

am einen Ende sich 3 – 4 kleine, starke, einen Fuß

lange, Querhölzchen befinden; durch diese Bearbei-

tung wird die Gährung auch sehr befördert.

              Im Sommer bei fleißigem Umrühren, geht die

Nöthige Gährung in längstens 14 Tagen vor sich;

im Winter wohl etwas, aber nicht viel später; im

Durchschnitt kann man diese Grube alle 16 -17

Tage ausleeren, was mittels jener Gattung längli-

cher Fäßer geschieht, die am Bodensee und in vielen

Theichen der Schweiz im Gebrauch sind; ein solches

Faß mag circa 17 bayr. Eimer enthalten, und an-

genommen, die Grube sei auch nur der derstalt groß,

daß sie 13 Fäßer Gülle enthält, (sie braucht nicht

groß zu sein) so kommen jedesmal 220 Eimer hinaus

und wird auch nur 20 Mal des Jahres ausgeführt

so sind es nicht weniger als 4400 Eimer! beim Aus-

führen der Gülle auf die Wiesen sind die Röhren

oder ein Brett, worüber die Gülle abläuft, kaum an-

wendbar, indem die Substanz zwar flüssig, jedoch so

 dick und breiartig ist, daß die Röhre solgleich ver-

stopft würden. Nachdem das Faß auf eine Wiese

geführt ist, wird einen große Kufe untergestellt und mit-

Telst Ausziehen des Zapfens gefüllt, und sodass mit

eigens dazu verfertigten Handkarren herum geführt

und mit einem Schapfen ausgebreitet, was durch die

Leute die es verstehen und darin geübt sind, mit einer

solchen Gleichheit geschieht, daß kein Fleck auch noch

so klein unüberschüttet bleibt, auch nirgends zu viel

auf einmal hinkommt.

Fortsetzung folgt.